Sie haben bestimmt die buddhistischen Weisheit gehört, „Du siehst die Weilt nicht so, wie sie ist, sondern so wie du bist.“ Derselben Aussage begegnet man in verschiedenen Varianten: von Ausdrucken wie „die Welt durch rosa gefärbte Brillen sehen“ bis hin zu dem „Gesetz der Anziehung“ (Gleiches zieht Gleiches an). Autofahrer kennen das: wohin sich die Aufmerksamkeit richtet, dorthin fährt man. Wenn man zu sehr in die Nähe schaut, oder auf den Pfosten, na ja, Sie wissen was geschehen kann.
Oder, ein anderes Beispiel: wenn man eine Anschaffung macht, etwa ein Auto, so sieht man überall dasselbe Model. Als ich schwanger war, sah ich überall schwangere Frauen. Kann es sein, das das auch am Fokus liegt? Wird das, worauf sich der Fokus richtet, mehr und wichtiger? Ich meine ja, und die obenerwähnten Redewendungen nehmen auf genau dieses Phänomen Bezug.

Genauso ist es mit Problemen: fokussiert man sich auf diese, erscheinen sie grösser; fokussiert man sich hingegen auf Möglichkeiten und Ressourcen, werden diese ebenfalls grösser. Mangeldenken führt zu Mangel. Wie kann man stattdessen Reichhaltigkeitsdenken entwickeln? Um diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, sich zuerst zu fragen, wie man zum Mangeldenken kommt.

Eine der häufigsten Ursachen des Mangeldenkens sind einschränkende negative Glaubenssätze. „Das darf nicht sein, das steht mir nicht zu, das steht anderen nicht zu, das ist unmöglich“ fallen in diese Kategorie. Wie viele Beispiele kennen Sie, wo etwas für unmöglich gehalten wurde, bis jemand es gemacht hat? Zum Beispiel hielt man es lange für unmöglich, dass jemand 100 m in weniger als 10 Sekunden rennen könnte, bis Jim Hines in 1968 genau dies getan hat.
Volksweisheiten wie „Wer hoch fliegt, fällt am tiefsten“ schränken die Bestrebung ein, sich viel vorzunehmen. Die Ironie dabei ist, manchmal ist schwieriger, sich einen kleinen Traum zu erfüllen, als einen grösseren. In den englischen Sprichwörtern „Aim higher, you’ll reach higher“ (Ziele höher und du wirst höher kommen) oder „It’s better to reach for the stars and miss than to reach for the mud and make it“ (Es ist besser nach den Sternen zu greifen und verfehlen, als nach dem Schlamm und zu treffen) kommt das sehr schön zum Ausdruck. Man kann durch die Macht des Denkens seine Träume so erstrecken, dass man schlussendlich viel mehr erreicht, als man sich gedacht hat. In die gleiche Richtung gehen die viel zitierten Aussagen von Walt Disney „Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun.“ und David Ben-Gurion: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

 

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Bild Rafaela Beddig