Es gibt verschiedene Aspekte, die eine gute Zielformulierung ausmachen. In der Business und Coaching Praxis sind dazu viele Abkürzungen im Umlauf. Möglicherweise haben Sie zum Beispiel bereits von SMART gehöhrt. Wenn nicht, um so besser! Im Folgenden werden die Grundsätze für eine gute Zielsetzung dargestellt.

Bevor ich jedoch darauf eingehe, möchte ich ein Paar Gedanken darüber mitteilen, wieso man sich überhaupt Ziele setzen soll.

Psychologische Studien zeigen, wie der Mensch Aufwand und Gewinn mit dem Begriff der Zeit verbindet. Der Aufwand liegt stets in der Gegenwart, der Gewinn jedoch in der Zukunft. Im Hier und Jetzt liegt die ganze Aufmerksamkeit auf dem Aufwand (Was kostet das?). Stellt man sich jedoch die  Zukunft vor, liegt die Aufmerksamkeit auf dem Gewinn (Was habe ich davon?).

Warum ist es wichtig, dies zu wissen? Weil dies noch ein Grund ist, klare Ziele zu formulieren. Ziele sind Projektionen in die Zukunft und bringen den Fokus auf den Gewinn. Die dadurch hervorgerufenen positiven Erwartungshaltungen bewirken einen entsprechenden Gemütszustand. Entscheide werden in der Gegenwart getroffen. Welche Gemütszustände sind für gute Ideen und Entscheide förderlich? Negative oder positive? Das Ziel aktiviert die positive Energie der Motivation, die notwendig ist um Entscheide zu treffen und umzusetzen.

Echte Ziele und falsche Ziele

Falsche Ziele: wir alle haben die Erfahrung gemacht, etwas erreicht zu haben, nur um dann enttäuscht gewesen zu sein, als die erwartete Befriedigung ausblieb.

Beispiel: Ich will X, weil ich X brauche um Y zu sein. Ich brauche ein Jurastudium, um in der Lage zu sein, eine Familie zu haben. Ich brauche einen Ferrari, um bei Frauen Erfolg zu haben.

Sehen Sie, wo das Problem mit diesen Zielen ist? Man glaubt, dass X Voraussetzung für Y ist. Das eigentliche Ziel ist Y, man will eine Familie haben etc. Das X kann sogar ein Hindernis auf dem Weg zu Y sein, weil es unnötig Ressourcen verschlingt. Das sind Beispiele für falsche Ziele. Was sind dann gute Ziele? Das sind die eigentlichen Gemütszustände, die man sich vom Erreichen des Zieles verspricht. Die Funktion, nicht die Form, ist das echte Ziel. Fragen Sie sich:

1. Was will ich? X

2. Was würde mir X geben, wenn ich es hätte? Y

3. Was würde Y für mich erfülen? Z

Z ist also der Wert, welcher mit dem „echten“ Ziel erfüllt wird. Meistens sind das abstrakte Nomen wie Freiheit, Selbstrespekt, Selbstbewusstsein. Dann fragen Sie sich:

4. Wie weiss ich, dass ich Z erreicht habe? Wie fühle ich mich dabei? Wie sehe ich von der Seite aus? Was sagen andere zu mir? Über mich? Was sage ich zu mir?

Mit diesem Fragen wird der Endzustand bestimmt, der das eigentliche Ziel ist. Dann kann man schauen, wo man heute in Hinsicht auf dieses Ziel steht. Vielleicht ist man ihm viel näher, als man dachte. Dann kann man sich fragen:

5. Wie komme ich diesem Zustand näher? Was ist der nächste Schritt, den ich jetzt schon in diese Richtung machen könnte? Und erst jetzt kommen Fomeln wie SMART sinnvoll zum Einsatz!

Fazit: das Wichtigste bei der Bestimmung eines Zieles ist, dass man weiss, was Einem im Leben wichtig ist. Es gilt, die persönlichen Werte zu klären, die den Brennstoff der Motivation ausmachen. Und dann beginnen die wunderbarsten Dinge zu geschehen!

Einige praktische Tools, die das Formulieren von Zielen erleichtern

Auf einer Reise muss man wissen, wohin man will. Zumindest die Richtung soll klar sein. Wie lange die Reise dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn man aber nicht ein mal weiss, wohin man will, führt die Reise irgendwo hin, womöglich an einem Ort, an dem man gar nicht sein will. Selbst eine Ferienreise wird man kaum dem Zufall überlassen wollen, die wichtigen Dinge im Leben noch weniger. Ziele bestimmen die Richtung der Aufmerksamkeit. Und mit der Aufmerksamkeit ist es wie beim Autofahren: wohin die Augen gerichtet sind, dorthin fährt man. Daher, mit dem Setzen eines Ziels richtet sich die Aufmerksamkeit in die gewünschte Richtung.

Halten Sie Ziele schriftlich fest. Das Schreiben selbst hat einen Verankerungseffekt, der die Aufmerksamkeit auf das Ziel fokussiert, was auch Forschungsstudien bestätigen. Das Aufschreiben der Ziele zwingt dazu, sie genau zu formulieren, was wiederum die Erreichung begünstigt. Also, Stift und Papier bereit halten!

Ohne klare Ziele kann man zudem weniger gut mit den Hindernissen umgehen, die sich dem Reisenden unvermeidlich entgegenstellen. Es ist besser, irgendein beliebiges Ziel zu formulieren, als gar keines, weil so bereits eine Dynamik ins Rollen gebracht wird. Am besten ist es jedoch, man formuliert die Ziele ausgehend von den tiefer liegenden Werten, die die Motivation antreiben, wie bereits im ersten Teil angesprochen. So kommt es richtig!

Sich bereits am erreichten Ziel zu sehen und zu fühlen, wie sich der Erfolg anfühlt, ruft einen sehr ressourcenreichen Zustand hervor. Dieser ist ein Generator der Motivation, das Ziel zu erreichen. Wenn das Ziel klar ist, ist es einfach, Teilschritte zu planen, beziehungsweise Teilerfolge zu feiern, was wiederum die Motivation direkt beeinflusst und infolgedessen auch die Selbstsicherheit.

Ziele haben mehrere Dimensionen. Zuerst kommt die grosse Vision, das Langzeitziel. Darauf basierend werden konkrete Aktionsziele formuliert, die zur Realisierung der Vision führen sollen. Bei jedem Abschnitt ist es möglich und sinnvoll, eine Standortbestimmung vorzunehmen Als Richtungsweiser dient wieder die eigene Vision: komme ich ihr näher, oder bin ich weiter weg?

Jetzt kommen wir zu den konkreten Eigenschaften, die ein Zeil ausmachen.

• Formulieren Sie alle Ziele positiv! „Was will ich?“ und NICHT „Was will ich nicht?“. Denn wenn der Fokus darauf liegt, was man NICHT will, ist es wie beim Autofahren…

• Beschreiben Sie die Ziele möglichst genau. Präzise und messbare Parameter wie Daten, Zeiten, Mengen und Beträge ermöglichen es, Zeitplänen und To-do Listen zu erstellen. Diese können auch weiter unterteilt werden. Dabei kann es vorkommen, dass man Widersprüche zwischen einzelnen Teilzielen entdeckt. Eine Abwägung der Prioritäten hilft dabei, mögliche Konflikte aufzulösen.

• Realisierbarkeit ist ein weiterer Aspekt eines guten Zieles. Ist das Ziel realistisch? Liegt es in meiner Hand, das Nötige zu tun, oder sind andere unvorhersehbare Faktoren entscheidend?

Die erwähnten Eigenschaften sind im Kürzel SMART zusammengefasst. Im Englischen stehen die einzelnen Buchstaben für specific, measuralbe, attractive, realistic, timed. Im Deutschen werden sie als spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert wiedergeben.

SMART

Spezifisch: Im Sinne von klar formuliert.

Messbar: Das bedeutet, das Ziel so zu formulieren, dass später objektiv zu erkennen ist, ob das Ziel erreicht wurde.

Attraktiv / Akzeptiert: Hier geht es um die Emotionen, denn sie machen die Motivation zu handeln aus.

Realistisch: Das bedeutet, die Ziele so zu formulieren, dass sie machbar sind. Ein nützliches Kriterium ist: haben Andere das bereits erreicht?

Terminiert: Wann oder bis wann muss das Ziel erreicht werden?

 

Eine weitere Formel, PARAT, bringt ähnliche Kriterien zum Ausdruck: positiv, attraktiv, realistisch, aktiv, terminiert. „Aktiv“ bezieht sich auf die Frage: liegt es in meiner Hand, alles zu tun, was für die Erreichung des Ziels notwendig ist? PARAT

Die Essenz von SMART und PARAT ist dieselbe: man weiss, was man will und wann man es erreicht haben will, man ist realistisch und hat es in der eigenen Hand.

 

Ein weiteres sehr nützliches Kürzel ist SAUBER. Sauber steht für: sinnesspezifisch, äusserlich beobachtbar, Umgebung, Blockaden, Effekte, Ressourcen.

 

SAUBER wurde von meinem Mentor Ronald Amsler entwickelt und ist in der Coaching-Literatur als „Ronniestyle“ bekannt. Die einzelnen Buchstaben beziehen sich auf die folgenden Merkmale eines Ziels:

SAUBER

Sinnesspezifisch: was sehe ich, höre ich, spüre ich, wenn ich das Ziel erreicht habe?

Äusserlich beobachtbar: Woran erkennt ein Aussenstehender, dass das Ziel erreicht worden ist?

Umgebung: Was könnte als Auslöser für ein neues Verhalten dienen?

Blockaden: Welche Blockaden und Hindernisse sind zu überwinden?

Effekte: Was für Konsequenzen, positive wie negative, wird das Erreichen des Ziels mit sich bringen?

Ressourcen: Welche Ressourcen stehen zur Verfügung?

 

 

Disney Strategie

Um diese Fragen zu beantworten, empfehle ich eine weitere Übung, die Disney Strategie. Das ist meine kreative Anwendung der SAUBER-Formel, meine eigene Zauberformel der Zielsetzung.

Disney StrategyDie Disney-Strategie basiert auf einer Methode, die Walt Disney verwendet hat, um seine Visionen zu verwirklichen. Die Strategie beinhaltet drei mentale Positionen, die nacheinander eingenommen werden: Visionär, Realist und Berater. In der Position „Visionär“ wird eine Idee bildlich imaginiert; in der Position „Realist“ erfolgt eine Betrachtung der Realisierbarkeit der Idee; in der Position „Berater“ werden Lösungen für die in der Position „Realist“ identifizierten Hindernisse gesucht. Eine Idee wird mehrmals unter den einzelnen Gesichtspunkten betrachtet, bis schliesslich ein umsetzbares Ziel entsteht. Es empfiehlt sich, die einzelnen Positionen räumlich zu trennen. Wechseln Sie einfach Ihren Platz oder gehen Sie, wie Walt Disney, in ein anderes Zimmer.

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Beitragsbild Rafaela Beddig