Oft werden Metaphern mit Poesie assoziiert und zwar als bildhaftes Ausdrucksmittel. Sie sind als Redefiguren bekannt, die den Sprachgebrauch ästhetisch ergänzen. Bereits Aristoteles in der Antike hat die Metaphern in seinem Werk „Poetik“ als rhetorische Mittel analysiert. Der Linguist George Lakoff hat die so genannten konzeptuellen Metaphern in der Alltagssprache erforscht. Metaphern prägen unsere Denkprozesse und sind für das Erfassen vieler Begriffe unumgänglich. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass wir in einem normalen Gespräch pro Minute sechs Metaphern benützen.

Was macht eine Metapher aus? Wodurch unterscheidet sie sich von einem Symbol? Oft werden beide Begriffe sogar als Synonyme benützt. Mit beiden lässt sich ein Konzept durch etwas anderes wiedergeben. Beide haben Form und Inhalt, oder Ausdruck und Bedeutung. Beim Symbol ist die Beziehung zwischen Form und Inhalt willkürlich. So gibt es beispielsweise keine natürliche Beziehung zwischen einer Nationalflagge und dem Land, dessen Symbol sie ist. Diese Beziehung ist eine soziale Konvention.

Bei den Metaphern hingegen besteht eine natürliche assoziative Beziehung zwischen Form und Inhalt. Diese Assoziation kann auf Ähnlichkeit basieren (Zahnrad), auf der Beziehung eines Teils zum Ganzen (kluger Kopf), oder auf der Beziehung zwischen einem Gegenstand und dem Material, aus welchem er gemacht ist (Er hat eine schöne Keramik-Sammlung), um nur drei Möglichkeiten zu nennen.

Das Prinzip der Assoziation ist also das, was, den Metaphern zu Grunde liegt.

Metaphern können auch Wertungen über Sachverhalten und Situationen ausdrücken. Die Begriffe „Höhe“ und „Tiefe“, sind oft, jedoch nicht immer, entsprechend positiv und negativ gefärbt:

(-) tief und nieder wie in niedergeschlagen;

(+) hoch und auf wie in aufgestellt;

Metaphern als präziser Ausdruck von Gefühlen und Emotionen

Wie spricht man von den Personen in seiner Umgebung, zum Beispiel: der Pfau, die Gans, der Adler, der Kauz? Die Bezeichnung enthaltet sowohl eine Wertung als auch eine emotionale Beziehung.

Wenn jemand sagt: „Im Moment bin ich wie in Knoten gebunden.“, wissen wir doch, dass der Mensch nicht wirklich oder physikalisch in Knoten gebunden ist, sondern auf ihren Gefühle über ihre aktuelle Situation Bezug nimmt.

In einer Coaching Methode, Clean Language (Die reine Sprache), interpretiert man die Metaphern des Anderen wörtlich und stellt dazu Fragen: Wo ist dieser Knoten? Wie ist dieser Knoten? Womit lässt sich dieser Knoten vergleichen? Die Antworte offenbaren mehr über das Denken des Gegenübers und die Art und Weise, wie seine Blockaden entstanden sind, beziehungsweise sich auflösen lassen.

Metaphern als Denkinstrumente

Der markanteste Beispiel wie Metaphern jedoch unsere Kognition prägen ist unser Zeitbegriff. Ist Ihnen aufgefallen, dass wir gar nicht von der Zeit sprechen können, ohne Raumprädikate zu benützen? Vor, nach, um, das sind alles Ortsprädikate! Der Raum ist ein Metapher für die Zeit.

Das ist alles massiv vereinfacht, aber es veranschaulicht den Punkt, dass Metapher nicht nur eine Redefigur sind, sonder ein Denkmittel und als solches prägen sie enorm unser Leben und unsere Realität.

Ich lade Sie ein, achtsam ihre Sprache und die Sprache des Gesprächspartners zu beobachten, weil die darin enthaltenen Metaphern viel mehr über die eigene Realität und die Realität des Gegenübers aussagen, als Ihnen bewusst ist.

Anbei finden Sie eine Geschichte, die sich zu Beginn wortwörtlich liesst und allmählich ins Metaphorische übergeht.

Schütteln Sie Ihre Probleme ab!

Eines Tages fiel ein Esel in eine Grube. Das Tier schrie und wimmerte stundenlang, während sein Besitzer überlegte, was zu tun sei. Schliesslich beschloss er, da das Tier alt war, den alten Esel genau dort zu begraben. Er holte eine Schaufel und begann, die Grube zu füllen.

Der Esel schrie und schrie, dann verstummte er plötzlich. Nach einer Stunde hektischen Schaufelns, gönnte sich der Bauer eine Pause. Zu seinem Erstaunen sah er seinen alten Esel aus der Grube springen und wegrennen! Wie war das möglich?

Anfangs, als der Esel merkte, was los war, schrie er noch kläglich. Aber dann traf das kluge Tier eine Entscheidung und schmiedete einen Plan. Er schüttelte den Schutt von seinem Rücken ab und formte so einen Haufen unter sich. Schliesslich wurde der Haufen hoch genug so dass er aus der Grube springen könnte.

Manchmal deckt einen das Leben mit allen Arten von Schmutz zu. Der Trick, um aus der Grube herauszukommen, ist es, den Schmutz einfach abzuschütteln, auf Ihn drauf zu steigen und einen Schritt nach oben zu machen.

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Bild Rafaela Beddig