Das Wort „Hypnose“ erweckt bei vielen gemischte Assoziationen. Im Folgenden wird auf die häufigsten eingegangen. Dann werde ich erklären, was Hypnose ist und was damit gemacht werden kann.

Hypnose ist kein Schlaf

Wikipedia bezeichnet den hypnotische Zustand als „einen entspannten Wachzustand“. Hypnose ist eigentlich ein Zustand, in dem man hineingeht und die Aufmerksamkeit sogar mehr fokussiert, als man es normalerweise tun würde. Man kann körperlich tief entspannt sein und gleichzeitig geistig äusserst konzentriert. Milton Erickson, der legendäre Hypnotiseur bezeichnet die Hypnose als einen Lernzustand. In der Tat wird bei manchen Lernmethoden, im Fremdsprachenerwerb zum Beispiel, Hypnose eingesetzt. Also, Hypnose ist kein Schlaf.

Hypnose ist keine Fremdbestimmung

Hypnose ist immer freiwillig. Niemand würde in Hypnose Dinge tun, die er im Normalzustand ablehnen würde. Die Selbsterhaltungsinstinkte sind dazu da, genau dies zu verhindern.  Schauhypnose ist genau das, ein Show. Das Show wird gemacht, nur weil das Publikum das erwartet, auf der Bühne stehen freiwillige, vom Hypnotiseur ausgewählte Kandidate. Wenn Hypnotiseure über übernatürlichen Kräfte verfügten, hätten sie schon längst die Welt übernommen! Manche Hypnotherapeute regen sich sogar über die Schauhypnose auf. Die Wahrheit ist jedoch, dass dank der Schauhypnose es überhaupt vielen bekannt ist, was Hypnose alles auch therapeutisch bewirken kann. In Ländern, in welchen es keine Schauhypnose gibt, gibt es auch keine Hypnotherapie, weil keiner davon eine Ahnung hat.

Hypnose ist kein Gedächtnisverlust

Im Gegenteil, man kann im Hypnosezustand Erinnerungen zugänglich machen, die im Normalzustand nicht vorhanden oder verdrängt sind. Dies geschieht in dem man dem emotionalen Zustand, der gewisse Reaktionen auslöst, nachgeht und als Leitfaden zurück zum Ursprung der Emotion verfolgt. Der äusserst konzentrierte und nach innen gerichteter Fokus ermöglicht das.

Man kann in Hypnose nicht „Stecken bleiben“

Wenn der hypnotische Zustand nicht durch den Hypnotiseur beendet wird, geht die Hypnose nach einer Weile in ganz natürlichen Schlaf über, aus dem man nach höchstens 20-30 Minuten erfrischt und munter wieder von selbst erwacht.

Also, Hypnose ist kein Ausgeliefert-sein, kein Schlaf, kein Gedächtnisverlust und man kann sich darin nicht verlieren.

Was ist Hypnose denn?

Hypnose ist ein natürliches Phänomen. Jedes mal, wenn unsere Aufmerksamkeit fokussiert ist, sind wir in einem hypnotischen Zustand. Oft werden automatisierte Tätigkeiten wie Autofahren, oder vertiefte Zustände wie Lesen, als hypnotische Zustände bezeichnet. Wir alle gehen mehrmals am Tag in hypnotischen Zustände hinein und hinaus.

Da bietet sich die Frage: was kann man damit machen? Hypnose wird auch im Coaching eingesetzt. Überall und jederzeit, wenn man nach Ressourcen sucht, um etwas zu erreichen, kann Hypnose behilflich sein. Man kann Hypnose zur Überwindung unerwünschter Gewohnheiten einsetzen, um Schmerzen zu lindern, oder um das neue, Wunschleben zu planen!


 Der Placebo-Effekt

Es gibt viele Parallelen zwischen Hypnose und dem Placeboeffekt. Historisch gesehen entstehen die Begriffe um die gleiche Zeit, in den 70er Jahren des 18ten Jahrhunderts. Wikipedia beschreibt den Placeboeffekt folgendermassen:

„Placeboeffekte sind positive Veränderungen des subjektiven Befindens und von objektiv messbaren körperlichen Funktionen, die der symbolischen Bedeutung einer Behandlung zugeschrieben werden.“

Ist der Effekt echt oder nur Einbildung und spielt das letztendlich eine Rolle?

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass ein Placebo biochemische und physiologische Veränderungen im Körper hervorbringen kann. Besonders deutlich ist das zum Beispiel bei der Schmerzkontrolle. Bei allen neuen Medikamenten muss der Placeboeffekt ausgeschlossen werden, was die Pharmaindustrie viel Geld kostet. Der Effekt ist also unzweifelhaft vorhanden! Es gibt sogar Experimente mit simulierten chirurgischen Eingriffen, bei welchen die Patienten sich verbesserten obwohl keine Operation stattfand.

Eine der bedeutendsten Forschungsinstitutionen der Welt, Harvard, hat viel in die Erforschung des Placeboeffekts investiert. Dabei haben sie bei Versuchen aus rechtlichen und ethischen Gründen offen verkündet, dass Placebos verabreicht wurden. Das spielt sich ungefähr so ab: „Nimm das, es ist ein Placebo aber es wird dir trotzdem gut tun!“ Also erfolgt eine Verbesserung selbst dann, wenn die Testperson weiss, dass sie ein Placebo erhält. http://news.harvard.edu/gazette/story/2010/12/placebos-work-%E2%80%94-even-without-deception/

In den USA haben manche Ärzte sogar damit begonnen, für die Zulassung von reinen Placebopillen zu lobbyieren. Der Placeboeffekt soll also nicht mehr nur minimiert werden, sondern gezielt eingesetzt!

Was hat Placebo mit Hypnose zu tun? In einem gewissen Sinne sind Hypnose und Placebo ein und dasselbe. Man kann Placebo als hypnotischen Effekt sehen. Viele von uns haben zum Beispiel den klassischen Wahlspruch „Everyday in every way I’m getting better and better“ gehört. Er wurde vom französischen Apotheker Emile Coué anfangs des 20ten Jahrhunderts bei Patienten anstelle von Medikamente eingesetzt. Solche Devisen sind eigentlich Auto-Suggestionen und gehören somit bereits zum Bereich der Hypnose.

Das Prinzip, das sowohl dem Plazeboeffekt als auch der Hypnose zugrunde liegt, ist die Assoziation. Wikipedia erklärt die Assoziation folgendermassen:

„Der Begriff der Assoziation dient dabei zur Erklärung des Phänomens, dass zwei (oder mehr) ursprünglich isolierte psychische Inhalte (wie z. B. Wahrnehmungen, Gefühle oder Ideen), auch als Assoziationsglieder bezeichnet, eine so enge Verbindung eingehen, dass das Aufrufen eines Assoziationsgliedes das Auftreten eines oder mehrerer weiterer Assoziationsglieder nach sich zieht oder zumindest begünstigt. So werden zum Beispiel der Anblick einer Rose und der Duft einer Rose im Gedächtnis miteinander verbunden.“

Die klassische Konditionierung von Pavlovs Hund veranschaulicht diesen Zusammenhang. Zwei Dinge finden gleichzeitig statt und das Hirn erstellt eine Verbindung: X ist Y oder X bewirkt Y. In der Hypnose und NLP ist dieses Phänomen als „Anker“ bekannt.

Dabei haben Erwartungen und Glaubenssätze enorme physiologische Wirkungen. Wohin der geistige Fokus geht, folgt der Körper. Je mehr sich die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Erwartung richtet, desto mehr neuronale Verbindungen entstehen im Hirn und desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Erwartung eintritt. Allein der Akt der Einnahme von Pillen aktiviert die Erwartung, dass Pillen heilen. Dabei spielen kulturkreis-spezifische Assoziationen eine wichtige Rolle, zum Beispiel: dass grössere Pillen grössere Wirkungen als kleine Pillen haben oder, dass teure Medikamente wirksamer als billige sind. Rot wird bei uns als energiereich empfunden, Blau hingegen als beruhigend. Interessanterweise erweisen sich in der Schmerzkontrolle rote Pillen als wirksamer als blaue. In de Behandlung von Angstzuständen hingegen ist es umgekehrt. In Italien sind jedoch die Farbassoziationen anders: denn Blau ist die Farbe der „Forza“ und blau-gefärbte Schmerzpillen sind wirksamer als rote!

Die Hypnose macht also gezielten Gebrauch von den Möglichkeiten des Placeboeffekts. Anbei eine praktische Übung, die helfen kann eine zerbrochene Beziehung zu verarabeiten, aus der Erfahrung zu lernen und das Schmerzhafte hinter sich  zu bringen.


Hypno-Übung „Ein gebrochenes Herz reparieren“

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Kino und sehen ein aktuelles Bild von sich selbst auf der Leinwand. Das Bild ist still und farbig. Sie sehen zufrieden aus und lachen.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie können aus Ihrem Körper heraus und in die Projektionskabine fliegen, von wo Sie sowohl sich im Kino sitzend sehen, als auch Ihr stilles Bild auf der Leinwand.

Nun, aus der Projektionskabine lassen Sie einen schwarz-weissen Film laufen: Sie sehen und hören alle guten Momente, die in der Beziehung geschehen sind, vom schönen Anfang an bis zum bitteren Ende. Der Film ist schwarz-weiss. Und Sie haben die Kontrolle in der Hand: Sie sitzen in der Projektionskabine, Sie sehen alles durch die Glaswand und Sie können den Film ändern: Sie können das Bild auf der Leinwand kleiner machen, oder den Ton ausschalten, Sie können auch das Bild unscharf machen.

Nun, wieder in der Projektionskabine, wo Sie vor dem Kontrollpult sitzen, spielen Sie den Film rückwärts, farbig, schnell, innerhalb 1.5 bis 2 Sekunden, 3-2-1 die ganze Beziehung rückwärts abspielen bis zu einem Moment, bevor sie begann, einem Moment, in welchem Sie genau so zufrieden waren und gelacht haben. Spielen Sie den Film mehrmals schnell vorwärts schwarz-weiss, 1-2-3 und rückwärts farbig, 3-2-1!

Und nun, treten Sie aus der Projektionskabine aus und steigen Sie in den Film hinein, in die letzte Szene, und ERLEBEN Sie die schnelle rückwärts Ausspielung der Beziehung bis zu diesem Augenblick zurück, bevor sie Begann, wo Sie zufrieden sind und lachen. Dann wieder vorwärts schnell, 1-2-3 schwarz-weiss bis zum Ende und schnell, 3-2-1 rückwärts farbig bis zu diesem Zeitpunkt zuvor, wo sie zufrieden sind und lachen.

Nun sind Sie wieder auf Ihrem Sitz im Kino und sehen sich auf der Leinwand, das aktuelle Foto von sich, still und farbig, Sie sind zufrieden und lächeln.

Jetzt, steigen Sie wieder in die Projektionskabine ein und lassen einen anderen Film laufen: alle schlechten Momente der Beziehung, wie Sie im Stich gelassen worden sind, wie Sie verletzt worden sind, angelogen worden sind, alle Enttäuschungen und Ärger, voll farbig und gross! Nun, da Sie die Kontrolle in der Hand haben, können Sie den Film abändern: Zirkus Musik im Hintergrund laufen lassen, den ehemaligen Partner oder ehemalige Partner in Micky Maus-Stimme sprechen lassen. Machen Sie sie klein, infantil, lächerlich, vielleicht in Pampers, etc. Machen Sie den Film grotesk!

Sie können wider in den Film fliegen und schnell, 1-2-3 den grotesken Film miterleben. Wie füllt sich das an?

Nun, zurück auf Ihrem Sitzplatz im Kino. Stellen Sie sich vor, sie sind in einem Augenblick in der Zukunft, zufrieden und lächelnd und schauen auf diese vergangene Beziehung zurück. Sie realisieren, wie viel Sie durch diese Erfahrung gelernt haben! Sie sind gewachsen, Sie haben die Lehre gezogen, die gleichen Fehler können Ihnen nie wieder passieren! Zum Glück haben Sie das erlebt und daraus gelernt, so dass Sie sogar froh sind, dass alles so geschehen ist, wie es geschehen ist. Sie stellen fest, dass Sie die Emotionen total los gelassen haben, Sie haben jener Person verziehen, und Sie haben sich selbst jegliche Dummheit verziehen! Was Sie getan haben, was Sie gesagt haben, was nicht ideal war, spielt keine Rolle mehr, weil Sie daraus gelernt haben und dadurch besser geworden sind. Das Ganze ist lebensbereichernd gewesen!

Und nun, hier und jetzt, stellen Sie sich vor, Sie begegnen dieser Person in Zukunft wieder. Wie fühlt sich das an? Sie sind frei! Dieses Kapitel ist längst abgeschlossen! Ist das nicht schön?

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Bild Rafaela Beddig