Wie Sie vielleicht wissen, ist Mentoring ein Projekt des „Kompetente Führung“-Manuals. Manche tun sich schwer damit. Im Folgenden will ich darauf eingehen, was Mentoring ist und warum es für uns Toastmasters nicht nur besonders wichtig, sondern auch attraktiv ist.

Zuerst ein mal, was ist Mentoring und was ist der Unterschied zwischen Coaching und Mentoring?

Beide Konzepte Coaching und Mentoring sind in der Arbeitswelt vor etwa 30 Jahren grosse Themen geworden und werden manchmal verwechselt. Beide Konzepte haben sich im Verlauf der Zeit entwickelt. Manchmal sind sie sich näher gekommen, manchmal sind sie auseinander gegangen.
Zu Beginn, in den 80 Jahren, war alles einfacher. Mentoring war etwas breiter gefasst als Coaching. Es bezog sich auf Unterstützung im Beruf. Die Vorgänger des Mentors waren in den Zünften und Gilden zu suchen, etwa dem Verhältnis zwischen Lehrling und Paten, das dem Lehrling die berufliche und soziale Integration in die Gewerbeorganisation ermöglichte.
Coaching hingegen basierte vor 30 Jahren klar auf Anweisungen und Befehlen wie in der Armee. Das englische Wort „Coach“ selbst kommt von „Kutsche“, ein Coach ist somit ein Kutscher, der für die schnelle und sichere Reise des Fahrgastes zuständig ist. In englischen Universitäten wurde als Coach ein Tutor bezeichnet, der Nachhilfe in bestimmten Fächern erteilte. Später wurde „Coach“ immer mehr für Unterstützung im Sport verwendet und „Tutor“ für Schulfächer.

Dann geschahen Dinge, die das Bild etwas vermischten.
Zuerst wurde das Mentoring in den 80 Jahren formalisiert. Es entstand eine Art Patenschaftsverhältnis oder Seilschaftsverhältnis, das in den Staaten auch „Sponsoring“ genannt wurde. Dabei waren die Erfahrung und der Einfluss des Mentors von enormer Bedeutung für die Entwicklung und die Karriere des Mentee.

Zudem wurde das traditionelle Coaching-Konzept in Frage gestellt und daraus entwickelte sich etwas, was als persönliche Entwicklungshilfe bezeichnet werden kann. Es wurde kundenorientierter, Coachee-orientiert und basierte nicht mehr auf Befehlen und strikten Richtlinien. Es ging also im Coaching darum, jemanden zu unterstützen, das Beste aus seiner Kraft, aus seinen Möglichkeiten in der eigenen Entwicklung zu machen. Somit kamen sich das Mentoring und das Coaching nah und werden oft austauschbar verwendet.

Es entstand somit ein anderes Modell der Betreuung oder des Mentorings: eines, bei welchem die Betonung nicht auf Richtlinien und praktischer einseitiger Hilfe fiel, sondern auf gegenseitiges Lernen. Die wichtigste Unterstützungsmethode, die ein Mentor verwendet, sind nicht Ratschläge, sondern Fragen, die das Mentee zu Selbstreflektion bewegt. Die Eigenverantwortung für die Entwicklung ist beim Mentee gross. Mentoren erleichtern dem Mentee den Eintritt in das Netzwerk, erläutern die Politik und die Kultur der jeweiligen Organisation und unterstützen die Integration.

Coaching ist eher auf kurz- oder mittelfristige Lösungen ausgerichtet, Mentoring beruht auf einer längerfristigen Zusammenarbeit. Coaching basiert auf Aufträgen, Mentoring auf Austausch. Während modernes Coaching also durchaus auch Elemente von Mentoring enthält, ist die Belohnung für den Coach das Honorar. Beim Mentoring ist die Belohnung für den Mentor nicht monetär messbar. Durch Mentoring macht man sich Freunde!

Wie wir wissen, basiert bei den Toasmastern alles auf freiwilligen Einsätzen. Dies ist die Währung, die diese internationale Organisation seit über 100 Jahren wachsen und gedeihen lässt. Das Konzept des Mentorings widerspiegelt dieses Prinzip: der Einsatz, den ein Mentor einbringt, ist für den Mentor selbst eine Bereicherung und gibt der Gemeinschaft etwas zurück. Ähnlich wie im Coaching, ist das Projekt jedoch von einer beschränkten Zeitdauer.

Was meine ich mit „Bereicherung“ konkret, wenn es um Mentoring bei den Toastmasters geht?

Die Toastmasters sind ein Rhetorik-Verein. Schon in der Antike wurden drei Säulen der Rhetorik definiert: Ethos, Logos, Pathos. Es sind genau diese 3 Säulen, die dem Mentoring unterliegen und es unterstützen!

Ethos: nimmt Bezug auf die gesellschaftlichen Aspekte des Nehmens und Gebens, die jede Kommunikation ausmachen. Zwischen Mentee und Mentor ist est zwingend, dass ein ethisches und anständiges Verhälnis des Respekts und der Wertschätzung herscht. In der Rhetorik bezieht sich das Ethos auf Wahrheitstreue. Die Rhetorik soll für Gutes eingesetzt werden.

Logos: bezieht sich auf das Wissen und Lernen, die wir alle suchen, wenn wir den Toastmastern beitreten. Diese werden im Prozess des Mentorings ausgetauscht. Rhetorik hingegen soll nicht als blosse Dekoration dienen, sondern das folgerichtige Denken unterstützen.

Pathos: beziezt sich auf die Emotionen, die jedes menschliche Tun treiben. Ohne Emotionen sind keine Reflektion und kein Lernen möglich. Sowohl im Mentoring als auch in der Rhetorik sind die Emotionen für das Ergebnis entscheidend.

Abschliessend lässt sich sagen, Mentoring bei den Toasmastern führt direkt zur Steigerung und Verbesserung der Rhetorik, denn alle 3 Säulen des Mentorings stärken die 3 Säulen der Rhetorik. Ergo: wenn Sie bessere Redner sein wollen, werden Sie Mentoren!

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