Das Konzept der „Sozialen Panoramen“: Beziehung ist gleich Verortung

Auf das Modell der „Soziale Panoramen“ des holländischen Autors Lukas Derk bin ich zu einem Zeitpunkt gestossen, in welchem mein Geschaftsumfeld stark im Umbruch war. Zum ersten Mal habe ich das Modell auf meine eigene Geschäftssituation angewandt und dabei seine vielseitigen Möglichkeiten schätzen gelernt. Es ist insbesondere für Modifikationen der Teamwahrnehmung einer Einzelperson geeignet.

Das Modell „Soziale Panoramen“ hat sowohl mit der Wahrnehmung des sozialen Raums, als auch mir dessen Versprachlichung zu tun.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die meisten unserer ernsthaften Probleme können in Bezug auf unsere Mitmenschen gesehen werden. Menschen schaffen sich Landkarten ihrer Welt. Ebenso schaffen wir uns unbewusst Landschaften der Menschen und Beziehungen um uns herum: das ist unsere soziale Landschaft. Man kann lernen, diese sozialen Landschaften vorteilhaft zu verändern. Wie denken Menschen über andere Menschen? Welche Stellung und Rolle werden diesen zugeordnet? Wie geschieht diese Zuordnung? Wie wird sie gemacht?

Die Menschen projizieren Bilder in den mentalen Raum um sich herum. Diese Bilder sind Repräsentationen davon, was für sie relevant ist und der Bedeutung, welche den Repräsentationen beigemessen wird. Ein wichtiges Merkmal der sozialen Panoramen ist die Arbeit mit dem Konzept des Selbst. Man denke an das bekannte Postulat. “Du nimmst die Welt nicht so wahr, wie sie ist, du nimmst sie so wahr, wie du bist.“ Selbstwahrnehmung und Selbstidentifizierung – das Konzept vom eigenem Selbst – werden im mit anderen Menschen bevölkerten sozialen Raum geschaffen. Die soziale Landschaft wird daher durch die mentale Landschaft bestimmt.

Dem subjektiven Faktor in zwischenmenschlichen Beziehungen wird in diesem Modell eine ausserordentliche Rolle zugeordnet. Wir lernen Personen zu konstruieren. Gemäss Lukas Derks: „In unserem Denken erschaffen wir kognitive Strukturen zur Repräsentation von Objekten, die wir als „Personen“ bezeichnen.“ Das heisst: in unserer subjektiven Wahrnehmung nehmen wir die anderen Subjekte als Objekte wahr. Wir objektivieren einander und diese Objektivierung ist eine Projektion. Alle Personifikationen sind Teile von uns. Dieser Objektivierung unterliegen zwei Annahmen: „Wir gleichen einander grundsätzlich.“ und „Jeder ist einzigartig.“ Menschen sind für uns daher weniger Wesen aus Fleisch und Blut als viel mehr geistige Bilder – mentale Repräsentationen – welche wir selbst erschaffen. Auf dieser Weise erstellen wir die Landkarte unserer sozialen Beziehungen, die „Sozialen Panoramen“.

Im Zentrum steht das Selbst, darum herum stehen die Repräsentationen der Anderen (sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen). Zu einigen blicken wir auf, zu anderen stehen wir auf Augenhöhe, andere wiederum sehen wir unter uns. Raummetapher versprachlichen die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Ort, an dem wir eine Beziehung „sehen“ ist, gemäss Dirks, der wichtigste Aspekt einer sozialen Erfahrung. Sehr aussagekrläftig sind ebenfalls Merkmale wie Grösse, Farbe, Helligkeit/Kontrast oder Distanz, Lautstärke, Richtung und Tempo. Eine Beziehung ist daher ein innerer kognitiver Akt. Das Selbst-Bild ist ebenfalls eine Personifizierung. Wenn wir uns mit anderen „in Beziehung setzten“, kreieren wir lediglich unsere eigenen Personifikationen. Die Personifikationen, die wir in unserem sozialen Panorama „sehen“, sind visuelle Projektionen unserer eigenen Persönlichkeitsanteile. Unser soziales Verhalten ist eine rein subjektive Angelegenheit. Wir können andere Menschen nicht ändern, wohl aber unsere geistige Vorstellung von ihnen. Man kann sich, zum Beispiel, eine Autoritätsfigur statt erhöht auf Augenhöhe vorstellen (die Grösse verändern) und somit die Figur vom Sockel herunternehmen. Das Gefühl von Ehrfurcht oder Angst nimmt dabei proportional ab.

Probieren Sie es aus: nehmen Sie eine konkrete Situation, die sie emotional prägt. Ordnen Sie die beteiligten Menschen örtlich ein, ausgehend von sich selbst im Zentrum. Zettel auf dem Boden oder ein Blatt Papier können dabei helfen. Dann ändern Sie die Verortung: schieben Sie Objekte rauf und runter, ferner und näher, oder bringen Sie Objekte näher zusammen; verändern sie die Modalitäten: Farben, Töne, Stimmfrequenzen, etc. und nehmen Sie wahr, wie es dabei Ihnen geht! Experimentieren Sie! Finden sie eine Konstellation, die bei Ihnen einen positiven Zustand bewirkt. Das sagt Ihnen, was Sie in Ihren Beziehungen verbessern können!