Denken Sie, Woody Allan sei ein guter Redner oder Führer? Ich glaube nicht. Er ist gescheit, keine Frage! Aber er tritt so auf, als wäre er voller Ängste und von niedrigem Status. Seine Figuren auf der Leinwand sind alle von diesem gleichen Typ: Menschen, die Unsicherheit ausstrahlen. Was genau machen solche Leute?

Unsichere Menschen beanspruchen wenig Raum und machen sich klein. Selbstsichere Menschen hingegen breiten sich aus und dringen sogar in den Raum Anderer hinein.

Unsichere Menschen sind über-reaktiv, entschuldigen sich ständig und signalisieren dadurch niedrigen Status.

Unsichere Menschen machen schnelle und abrupte Bewegungen oder wippen und schauen herum. Selbstsichere Menschen hingegen bewegen sich weniger. Ein klarer und fokussierte Blick wird als Zeichen von Selbstsicherheit gedeutet.

Unsichere Menschen meiden die Stille. Sie sprechen viel und schnell, so dass sie sogar über die eigenen Worte stolpern und stottern. Es ist aber so, dass die Stille eigentliche die persönliche Stärke erhöht.

Unsichere Menschen sprechen leise und engen ihren Hals ein. Selbstsichere Menschen hingegen haben keine Angst, laut zu sein.

Unsichere Menschen reden oft mit steigender Intonation am Ende einer Aussage, wie bei Fragen, und das wird als mangelnde Kompetenz gedeutet. Fallende Intonation hingegen ist Zeichen von Autorität.

Kommunikationsmerkmale wie Tonalität, Blinzeln, Redestil, Pausen, etc. all das wird durch unsere Gedanken und Emotionen bestimmt. Wenn man unbewusst Botschaften kommuniziert wie: ich bin verrückt, ich bin komisch, ich bin verloren, dann sabotiert man sich selbst.

Bei Auftritten und Verhandlungen ist es wichtig, eine innere Realität zu schaffen, die die passende Ausstrahlung von Stärke und Überzeugungskraft bestimmt. Noch wichtiger ist es zu wissen, dass die innere Realität etwas ist, das sich verändern lässt. Das Wichtigste aber ist, daran zu glauben, dass es in der eigenen Macht steht, diese innere Realität so zu verändern, dass sie genau das gewünschte äusserliche Verhalten bewirkt. Eine innere Realität der Stärke bewirkt äussere Signale, die als überzeugend und attraktiv empfunden werden. Stärke ist nicht etwas, was Sie tun, sie ist etwas, was Sie werden! Mehr dazu später.

Wie signalisiert man innere Stärke? Testen Sie die folgenden Vorschläge aus und schauen Sie, wie sich das anfühlt:
Bewegen Sie sich so wenig wie möglich. Bleiben Sie still und gelassen.

Halten Sie den Fokus Ihrer Augen auf das Gegenüber und versuchen Sie Ihre Gedanken in seinen Kopf zu projizieren. Stellen Sie sich dabei vor, Sie wären ein Jedi-Ritter, der mit seinem Blick Gegenstände bewegen kann und bringen Sie diese Intensität in Ihren Blick.

Machen Sie eine Pause von 5-6 Sekunden, bevor Sie eine Antwort geben. Lernen Sie sich im Warten bequem zu fühlen.

Und benützen Sie Logik nur als letztes Instrument, denn Logik ist Rechtfertigung und Rechtfertigung ist ein Attribut des niedrigen Status.

Seien Sie nicht darauf bedacht, dass jemand Sie mag, denn Ihr Wert ist nicht etwas, was Andere zu bestimmen haben!

Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen:

Innere Stärke ist eigentlich eine Frage des Weniger-Tuns, und nicht des Mehr-Tuns! Sie ergibt sich, wenn die inneren Blockaden und selbstauferlegten Einschränkungen aufgeräumt werden.

© Teodora Rudolph. All rights reserved 2016, Zürich, Schweiz
Bild Rafaela Beddig